Ortnerhof

Wer wir sind

Eines Abends im September 2019 unternahm ich einen Spazier­gang am Pöstling­berg und passierte die Leisen­hof­gärtnerei am Fuße des bekannten Wallfahrts- und Zwergen­berges von Linz. Diesmal fasste ich mir ein Herz, öffnete das Holztor und trat ein. Es tat sich ein para­diesischer Garten vor mir auf. Im Spät­sommer zeigt sich die Vege­tation von ihrer üppigsten Seite, die unter­schiedlichen Grün­töne schmiegen sich aneinander, verschwenderisch preisen sich dunkel­violette Beeren und saftig rotes Frucht­gemüse an. Es ist eine Zeit des Überflusses. Über dem Garten lag bereits eine friedliche Feier­­abend­­stimmung und es sah so aus, als wären die Gärtner nach verrichtetem Tagwerk bereits in der wohl­­­­verdienten Abend­­­­ruhe an­ge­kommen. Nichts desto trotz versuchte ich mein Glück im Gärtnerei-Betriebsgebäude. Bevor ich eintreten konnte, öffnete sich jedoch die Tür. Getaucht in das goldene Abendlicht der schwindenden Sonne stand mir gegenüber ein junger Mann, mit löcherigem T-Shirt, Strohhut und…vollem Mund. Er aß wohl gerade zu Abend und schien über mein unerwartetes Erscheinen genauso überrascht zu sein wie ich über seines. Dies war meine erste Begegnung mit Tristan und später, beim Fenchel-„Zwitschern“ fanden wir heraus, dass uns bereits damals etwas verband: wir hatten beide Wurzeln in einem winzigen, ehemaligen Kohle­berg­bauern­dörfchen im Hausruckviertel. Der Rest ist Geschichte, unsere Geschichte. Ab dann kam ich so oft es meine Freizeit zuließ in die Gärtnerei und half Tristan beim Gärtnern. Dabei, finde ich, kann man sich wunderbar kennenlernen. Tristan hatte sich nach der Pflichtschule entschlossen, einen naturnahen Beruf zu ergreifen, und so kam er zum Gärtnern. Es folgte die Ausbildung in der Gartenbauschule Ritzlhof. Bald keimte die Begeisterung für die biologisch-dynamische Land­wirtschaft und die dahinter stehende Philosophie der Antroposophie in ihm auf, und so packte er seine sieben Sachen und ging nach Deutschland auf den Dottenfelderhof, in der Nähe von Frankfurt am Main. Ein Jahr später und um viele Erfahrungen reicher, kam er mit dem Zerftifikat des biologisch-dynamisch land­­wirt­schaft­lichen Facharbeiters in den Händen zurück in seine Heimatstadt Linz. Gemeinsam mit einer Hand voll Ähnlich-Gesinnten übernahm er die Leisenhofgärtnerei. Als selbstständiges Mitglied konnte er dort in den vergangenen zehn Jahren viele seiner Ideen in die Tat umsetzen und wertvolle Erfahrungen sammeln. Zu seinen Herzensprojekten zählt die Kultivierung der Lichtwurzel, einer Schlingpflanze mit besonderer Pfahl­wurzel, die durch den speziellen Anbau in Quarzsand Lichtäther in der Wurzel anreichert. Ein landschaftlich besonders schönes Element fällt einem sofort ins Auge, wenn man die Leisenhofgärtnerei betritt, ein geziegeltes Bauwerk in Form eines Ei, als Symbol der Fruchtbarkeit und des Wachstums. Tristan hat den Bau initiiert und war von der Planung über den Aushub des Fundaments bis hin zum Verputzen dabei. Im Jahr 2022 zog er sich langsam aus der Leisenhofgärtnerei zurück, um seinen Traum vom eigenen Betrieb auf dem Erbhof der Familie Spalt im Bezirk Vöcklabruck zu realisieren.

Und ich? – Ich bin Tristan’s Partnerin Verena und stehe ihm mit Rat und Tat zur Seite. Ich selbst habe einen akademischen Pfad im Bereich der Naturwissenschaften eingeschlagen, der mich einmal mehr und einmal weniger vor gewisse Fragezeichen und Kopfschütteln stellt. Mit einem natur­wissenschaftlichen Grund­verständnis kann man einige Vorgänge in den Öko­systemen bis zu einem gewissen Grad erklären, aber damit lässt sich meiner Meinung nach bei weitem nicht alles einordnen. Viele Aspekte des Lebens lassen sich nur lebend erfahren! Ich freue mich, in enger Verbundenheit mit der Natur, Teil dieser Hofgemeinschaft zu sein und das uns anvertraute Fleckchen Erde verantwortungsvoll und voller Hingabe kennen und gestalten zu lernen. Ein erwähnens­­­werter Aspekt im Zusammen­hang mit dem Kennenlernen ist die Phänologie, der ich mich im Rahmen des Biodiversitätsmonitorings widme. Phänologie beschreibt das Erscheinungs­bild und die Ausprägungs­formen von Pflanzen­stadien im Zusammenhang mit dem Jahres­kreis, bezogen auf die unmittelbar damit verbundenen 10 Jahreszeiten. Ich laufe gerne unsere „Ländereien“ ab und beobachte dabei zu unter­schiedlichen Zeitpunkten das Wachstums­­geschehen bzw. die Stadien der unter­schiedlichen Pflanzen, wie etwa die Haselblüte, der Maiwipferl-Austrieb oder die Birkenblatt-Entfaltung und den Erstflug des Zitronenfalters. Diese Beobachtungen verhelfen mir zu einem besseren Verständnis und einer schärferen Wahrnehmung der Ökosysteme, die uns umgeben und deren Teil wir sind.

Wir hoffen, einen Ort schaffen zu können, der fruchtbar in die Zukunft geht!

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